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Tirzepatid: auch bei Typ-1-Diabetes effektiv

Snaith JR, Frampton R, Samocha-Bonet D et al., 20. November 2025 - 79% der Erkrankten mit Typ-1-Diabetes erreichen die glykämischen Ziele nicht und bei etwa 2 Drittel besteht ein relevantes Übergewicht. Der duale Rezeptoragonist Tirzepatid reduziert bei Typ-2-Diabetes das Körpergewicht und hat positive metabolische Effekte. Die doppelblinde placebokontrollierte Studie TIRTLE1 überprüfte, ob dies auch bei Typ-1-Diabetes zutrifft.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

Die erste randomisierte placebokontrollierte Studie zu Tirzepatid bei Typ-1-Diabetes spricht mit einer schnellen und deutlichen Gewichtsreduktion sowie metabolischen Auswirkungen für den Nutzen des Rezeptoragonisten auch für diese Gruppe. Die Autor*innen weisen darauf hin, dass während Tirzepatid 2 Erkrankte mit bekannten psychischen Problemen exazerbierten. In 1 Fall kam es zur erneuten Depression und in 1 weiteren zum Wiederauftreten von Ängsten.

Tirzepatid ist ein Rezeptoragonist von Glukagon-like-Peptid-1 und glukoseabhängigem insulinotropem Peptid. Es erhöht die glukoseabhängige Insulinfreisetzung, steigert die Insulinsensitivität und verzögert die Magenentleerung. Stark Übergewichtige mit und ohne Typ-2-Diabetes profitierten mit erheblichen Gewichtsabnahmen und einem verbesserten Glukosemetabolismus. An der Phase-2-Studie TIRTLE1 nahmen 24 Erwachsene mit Typ-1-Diabetes, einem BMI ≥30kg/m2 und einem Lebensalter von 18 bis 60 Jahren teil. Zu den zahlreichen Ausschlusskriterien gehörten u.a. spezifizierte Vormedikationen, schwere Hypoglykämien in der Vorgeschichte, vorbekannte schwere kardiovaskuläre Ereignisse, Niereninsuffizienzen, relevante Lebererkrankungen und Cholezystitis. Die Studiendauer betrug 12 Wochen, in denen die Teilnehmenden 1-mal wöchentlich subkutan Tirzepatid oder Placebo erhielten. Hauptendpunkt war die Veränderung des Körpergewichts. Sekundäre Endpunkte betrafen u.a. die Körperkomposition, das HbA1c und die Insulindosis.

24 Teilnehmende waren durchschnittlich 41 Jahre alt und der Diabetes war 23 Jahre bekannt. Das Körpergewicht betrug 101kg, der BMI 33,7kg/m2, das HbA1c 7,3% und die tägliche Insulindosis lag bei 69 Einheiten (jeweils mean). 54% nutzten Insulinpumpen mit automatischer Insulinabgabe. In jeder Gruppe beendete 1 Person die Studie nicht. Von jeweils 11 Patient*innen in der Verum- und Placebogruppe lagen vollständige Daten vor. Tirzepatid wirkte sich verglichen mit Placebo schnell signifikant günstiger aus:

  • Gewichtsabnahme 10,3kg und 0,7kg,

  • Gewichtsabnahme >5% bei 100% und 9%,

  • Gewichtsabnahme >10% bei 45% und 0%,

  • größere Reduktion der Fettmasse,

  • HbA1c -0,5% und -0,2%,

  • Insulindosis 35% stärker reduziert,

  • gesunkene Glukosevariabilität und

  • deutlichere Kalorienrestriktion.

 

Die Time-in-Range und Time-below-Range wiesen keine Gruppenunterschiede auf. Schwere unerwünschte Ereignisse und insbesondere relevante Hypoglykämie sowie Ketoazidosen kamen nicht vor. Gastrointestinale Ereignisse waren mit Tirzepatid häufiger, aber überwiegend leicht ausgeprägt und vorübergehend.