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GLP-1RA: Neue Metaanalyse bestätigt protektiven Nutzen

Lee MMY, Sattar N, Pop-Busui R et al., 29. März 2025 - GLP-1-Rezeptoragonisten (GLP-1RA) reduzieren bei Typ-2-Diabetes das Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse (MACE) und eine Verschlechterung der Nierenfunktion. Inzwischen stehen auch orale Formulationen zur Verfügung. Das Update schließt neuere Studien ein und zeigt eindrücklich die breite Effektivität der Substanzen.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

In der aktualisierten Metaanalyse schützten GLP-1RA bei Typ-2-Diabetes vor kardiovaskulären und renalen Ereignissen. Die vergleichbare Protektion bei oraler Applikation sei möglicherweise weniger zuverlässig, aber verbessere den Zugang, werde von Patient*innen präferiert, reduziere Kosten und spare Müll. Lee et al. meinen darüber hinaus, dass insgesamt ein vertretbares Sicherheits- und Toleranzprofil bestehe.
In die Analyse wurden ausschließlich placebokontrollierte, randomisierte Studien mit Patient*innen ≥500 Teilnehmenden sowie oralen und injizierbaren langwirksamen GLP-1RA aufgenommen. Endpunkte waren MACE (z.B. Myokardinfarkt, Schlaganfall), die Gesamtmortalität, herzinsuffizienzassoziierte Krankenhausaufnahmen (HHF) und Verschlechterungen der Niereninsuffizienz. Letztere waren definiert über neue Dialyse, Transplantation, GFR<15ml/min/1,75m2, Funktionsabnahme ≥50% und nephrogener oder kardiovaskulärer Tod. Insgesamt standen Informationen von 71351 Patient*innen mit Typ-2-Diabetes zur Verfügung. Von 10 Studien waren SOUL und FLOW neu aufgenommene. In SOUL wurde orales Semaglutid eingesetzt und FLOW legte den Schwerpunkt auf das kardiorenale Risiko. Das Verzerrungsrisiko der Analysen war gering und die Evidenz der Ergebnisse hoch (GRADE-Kriterien). An allen Studien nahmen jeweils >3000 Personen teil. Deren Lebensalter betrug 62 bis 67 Jahre und 29 bis 39% waren Frauen. Eine bestätigte kardiovaskuläre Vorerkrankung lag in 31 bis 100% der Fälle vor. Die Beobachtungszeit betrug 1,3 bis 5,4 Jahre. In der gepoolten Auswertung (DerSimonian- und Laird-Methode) wirkten sich GLP-1RA verglichen mit Placebo positiv auf die Endpunkte aus:
  • MACE -14% (HR 0,86; 95%-KI 0,81–0,90),
  • kardiovaskulärer Tod -14% (HR 0,86–0,93),
  • Myokardinfarkte -14% (HR 0,86–0,95),
  • HHF -14% (HR 0,86; 95%-KI 0,79–0,93),
  • Schlaganfälle -14% (HR 0,79–0,94),
  • Gesamtmortalität -12% (HR 0,88–0,93) und
  • kombinierter renaler Endpunkt -17% (HR 0,83; 95%-KI 0,75–0,92).
  Die Ergebnisse waren bei subkutaner und oraler Applikation der GLP-1RA vergleichbar (pinteraction=0,98) und bestätigten sich für diverse Subgruppen (z.B. nach Alter, Geschlecht und BMI). Eine Heterogenität bestand in Abhängigkeit vom HbA1c. Erkrankte mit hohen Werten profitierten deutlich stärker. Schwere unerwünschte Ereignisse kamen in den Placebogruppen tendenziell seltener vor, aber der Unterschied erreichte das Signifikanzniveau nicht. GLP-1RA erhöhten die Wahrscheinlichkeit für Therapieabbrüche. Hauptursache waren gastrointestinale Beschwerden. Schwere Hypoglykämien, Retinopathien und Pankreatitiden kamen vergleichbar oft vor. GLP-1RA erhöhten das Risiko für Karzinome insgesamt, Pankreas- und Schilddrüsenkarzinome nicht.