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Tirzepatid: nephroprotektiv bei Typ-2-Diabetes

Apperloo EM, Tuttle KR, Pavo I et al., 02. Januar 2025 - Die Studien SURPASS 1 bis 5 verglichen den dualen Inkretinrezeptoragonisten Tirzepatid mit Placebo und aktiven Komparatoren. Tirzepatid verbesserte die Insulinsekretion, Insulinsensitivität sowie das metabolische Profil von Erkrankten mit einem Typ-2-Diabetes deutlicher. Ein gesteigertes Sättigungsgefühl bewirkte signifikante Gewichtsabnahmen. SURPASS 4 ergab darüber hinaus in der Tirzepatid-Gruppe eine reduzierte Urin-Albumin-Kreatinin-Ratio (UACR) und verlangsamte die Abnahme der glomerulären Filtrationsrate (GFR). Apperloo et al. überprüften nun die Generalisierbarkeit und fassten dafür SURPASS 1 bis 5 zusammen.
Aufgezogene Spritze, Tabletten und Stethoskop

Fazit

Mit Tirzepatid nahm die Albuminurie signifikant deutlicher ab als mit Placebo, Insulin und Semaglutid. Besonders Risikopersonen mit einer initial erhöhten UACR und/oder reduzierten glomerulären Filtration profitierten. Die direkte Wirkung von Tirzepatid auf die Nieren sei nicht abschließend geklärt. Die Studiengruppe diskutiert mögliche Einflüsse auf die Integrität der glomerulären Barriere, Podozytenfunktion, den intraglomerulären Druck und proinflammatorische Signalwege mit konsekutiv abgeschwächter endothelialer Dysfunktion und glomerulärer Albuminleckage.

Tirzepatid ahmt am Rezeptor Glukagon-like-Peptid-1 und das glukoseabhängige insulinotrope Peptid nach. Die Hormone steigern nach der Nahrungsaufnahme die Insulinsekretion und das Sättigungsgefühl. In den Studien SURPASS 1 bis 5 wurde Tirzepatid mit Placebo, Insulin, Semaglutid, Metformin, Sulfonylharnstoffen, SGLT2-Inhibitoren und deren Kombinationen verglichen. Wesentlicher Endpunkt der Post-hoc-Analyse mit den gepoolten Daten waren die prozentuale Veränderung der UACR und der GFR in Behandlungswoche 40 bzw. 42.

Insgesamt nahmen 5299 Erkrankte mit Typ-2-Diabetes an den 5 Studien teil. Das Durchschnittsalter betrug 57 bis 61 Jahre, der BMI 32,8 bis 33,83kg/m2, die Diabetesdauer 9 bis 10,8 Jahre und das initiale HbA1c 8,3% (Tirzepatid) und 8,4% (Komparatoren). Am Beginn der Studien lag die UACR in den Tirzepatidgruppen (5, 10 und 15mg) bei jeweils 11mg/g und bei den Vergleichssubstanzen bei 12mg/g. Für die GFR ergaben sich 96,3 (5mg Tirzepatid), 95,6 (10mg), 96,5 (15mg) und 89,6ml/min/1,73m2 (Komparatoren). 30% hatten eine erhöhte UACR (≥30mg/g) und 9% eine GFR <60ml/min/1,73m2. In den meisten Fällen war die Nierenfunktion also erhalten.

Die prozentuale Änderung der UACR betrugen bei 5, 10 und 15mg Tirzepatid verglichen mit den gepoolten Komparatoren -19,3%, -22% und -26,3%. Die Ergebnisse für den Vergleich Tirzepatid/Semaglutid betrugen -4,8%, 2,8% und -11,1% (nicht signifikant). Die Einnahme von RAS- und SGLT2-Inhibitoren beeinflussten die Resultate nicht. Personen mit initial erhöhter UACR profitierten noch deutlicher von 5, 10 und 15mg Tirzepatid (UACR -31,3%, -42,2% und -47,3%). Verglichen mit Semaglutid waren nur 15mg Tirzepatid effektiver. In der Gruppe mit eingeschränkter Filtration war die UACR im Vergleich mit den gepoolten anderen Substanzen 26,6%, 23,6% und 49,2% geringer (5, 10 und 15mg Tirzepatid).

Das HbA1c der Tirzepatidgruppen war 1% geringer als in der zusammengefassten Vergleichsgruppe. Die Gewichtsabnahmen betrugen 10,1% und 2,1% des Ausgangswertes. Multiple Mediationsanalysen ergaben, dass 54,1% der Tirzepatideffekte nicht durch das HbA1c oder das Körpergewicht vermittelt waren.