Hiermit bestätige ich, dass ich einen medizinischen oder pharmazeutischen Beruf ausübe [Ärzt*in, Apotheker*in, Pharmazeutisch-technische*r Assistent*in (PTA), Medizinische*r Fachangestellte*r (MFA)].
BadgesStudien
Kontinuierliche Glukosemessung für das Screening
Autor*in Studienreferat
Dr. med. Susanne Krome, Melle
Fazit
Die Identifizierung von Erkrankten mit einem T1D im Stadium 2 gewinnt mit der Entwicklung immunmodulatorischer Substanzen an Bedeutung und prognostischer Relevanz, denn Übergänge in den manifesten Diabetes im Stadium 3 können signifikant verlangsamt werden. Bislang eignen sich die Systeme für die „Vorauswahl“. Modellierende Daten aus künstlicher Intelligenz und maschinellem Lernen können die CGM als prädiktive Tools voranbringen. Mader et al. nennen als Beispiel 1 Woche CGM kombiniert mit einem linearen Modell (Support Vector Machine), das sich zur Klassifizierung des Autoantikörperstatus eignete.
Ein Stadium 2 des T1D besteht bei ≥2 diabetesassoziierten Autoantikörpern und Dysglykämie ohne Insulinpflicht. Das Konsenspapier unterstreicht die Relevanz der rechtzeitigen Diagnose: Der monoklonale CD-3-Antikörper Teplizumab verlangsamt den immunvermittelten Verlust von Betazellen und verzögerte die Progression in ein Stadium 3. In Studien verdoppelte Teplizumab die Zeit bis zur Insulinpflicht. Die Inzidenzen eines T1D sind bei 5- bis 24-Jährigen am höchsten und die Früherkennung eines Übergangs von Stadium 1 in 2 mit der möglichen Therapieverzögerung durch Teplizumab sind in dieser Altersgruppe besonders bedeutsam. Damit verbunden sind regelmäßige Screenings mit Blutabnahmen und weiteren Tests. Das CGM könnte Entlastung schaffen, indem Patient*innen identifiziert werden, bei denen venöse Blutabnahmen und ein oraler Glukosetoleranztest bestätigend erfolgen sollten. Mader et al. beschreiben ausführlich, wo die Fallstricke des CGM für diesen Zweck liegen.
Bislang verfüge kein CGM-Device über eine ausreichende Sensitivität und Spezifität für die zuverlässige Diagnose T1D im Stadium 2. Das durch den Glukose-Management-Indikator der Systeme geschätzte HbA1c sei nicht ausreichend genau. Für die Verbesserung der Performanz des CGM ist eine verbesserte Standardisierung der Devices erforderlich und Grenzwerte müssten vor allem auf eine Verbesserung der Spezifität ausgerichtet sein. Eine erhöhte Time Above Range (5 bis 10% >140mg/dl) sei ein gutes Kriterium, bedürfe aber weiterer Evidenz. Bei Normoglykämie muss bedacht werden, dass Euglykämien bei Älteren abnehmen. Interferierende Substanzen reduzierten die Genauigkeit der Ergebnisse. Die Arbeitsgruppe empfiehlt außerdem verblindete Ansätze, bei denen die Patient*innen die Ergebnisse des CGM nicht sehen. Die Furcht vor einer Therapieeinleitung könnte zu Verhaltensanpassungen und Einflussnahmen führen, die nicht dem individuell „normalen“ Profil entsprechen. Gerade bei jungen Menschen seien die psychologischen Herausforderungen durch Lebensstiländerung, soziale Stigmatisierung und Vergesslichkeit im Umgang mit dem Device hoch.
Das CGM hat gegenüber der konventionellen Vorgehensweise zum Ausschluss des Stadiums 2 den Vorteil, dass zunächst Blutabnahmen, weitere Tests, Anfahrten, Arbeits- und Schulversäumnisse vermieden werden. Als passende Intervalle für Erkrankte mit T1D im Stadium 1 empfehlen die Autor*innen:
Kontrollgruppen:
- 6 bis 12 Monate für Erwachsene mit mehreren Antikörpern und 12 bis 36 Monaten bei 1 Antikörper oder ausschließlich positiver Familienanamnese,
- 3-monatlich bei Kleinkindern, ≥6-monatlich bei 3- bis 9-Jährigen und ≥12-monatlich bei älteren Kindern und Jugendlichen.
Das Screening ermögliche die Identifizierung von Risikopersonen, bei denen danach die weitergehende Abklärung eines möglichen T1D im Stadium 2 erfolgt. Die Frequenz der Testung basiere auf der immunologischen Last und der Progressionswahrscheinlichkeit.